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«Neue Hochwasserplanung für Kleinpösna» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Dienstag, 26. April 2005

Neue Hochwasserplanung für Kleinpösna


Ortsrat Dietmar Müller (CDU) wird die Überschwemmungen der 80er Jahre wohl nie vergessen: "Da sind wir mörderisch abgesoffen, der ganze Hof stand unter Wasser", erzählt er. Der Dreiseitenhof der Müllers ist der letzte vor der nördlichen Ortsgrenze von Kleinpösna. Doch auch hier hat der Pösgraben, an sonnigen Tagen ein harmloses Rinnsal, sich bereits als reißener Strom entpuppt.

In Bürgerversammlungen, im Ortschaftsrat und Fachgesprächen wird seit Jahren versucht, einen wirksamen Hochwasserschutz für den Ort zu finden. Jetzt hat das Amt für Umweltschutz einen neuen Vorschlag gemacht - im Nachgang zu einer Ortsbegehung, die bereits zwei Jahre zurückliegt. Ein neuer Verbindungsgraben soll das Wasser nach starkem Regen schon weit vor Kleinpösna ableiten. Unterhalb des Kolmberges wird das Wasser über die Felder zum so genannten Mittelgraben geführt. Mit der Entwurfsplanung will die Verwaltung jetzt ein Büro beauftragen - das teilte Amtsleiterin Angelika Freifrau von Fritsch dem Ortschaftsrat mit.

Die Geschichte der Überschwemmungen in Kleinpösna liest sich wie das Einmaleins ökologischen Leichtsinns. Schon zu DDR-Zeiten wurden die Teichwiesen südwestlich des Ortes mit Schutt gefüllt und für große landwirtschaftliche Geräte eingeebnet. Auch viele kleine Gräben an den Grundstückgrenzen fielen der großflächigen Bewirtschaftung zum Opfer. Gleichzeitig diente der Pösgraben der Entwässerung der Tagebaugebiete im Süden Leipzigs. Nachdem der alte Ortskern immer wieder überschwemmt worden war, bauten die Einwohner eine Umleitung um das Dorf, die jedoch keine dauerhafte Abhilfe schuf. Auch das Wehr am südlichen Ortsrand entstand damals.

Nach der Wende wurden weitere Flächen versiegelt. Eine neue Siedlung entstand direkt am Graben - aber vor dem Wehr. Anfang 2002 und 2003, als das Wasser wieder einmal anschwoll, standen die Einwohner vor der kniffligen Frage: Sollten sie das Wehr ziehen - dann würde die alte Ortslage überschwemmt. Oder sollten sie es schließen - dann drohte die Siedlung abzusaufen.

Mit dem neuen Vorschlag wird auch die bisherige Vorzugsvariante der Stadtverwaltung ad acta gelegt. Noch im vergangenen Sommer vertrat das Amt für Umweltschutz die Meinung, das Hochwasser könne in die künftigen Baggerseen im Kiesabbaugebiet abfließen. Ökologische Gutachten sprechen inzwischen wohl dagegen: "Das Wasser ist durch Deponien südlich von Kleinpösna belastet", zweifelte damals schon der ehemalige Ortsvorsteher Bernhard Brand (PDS) an der Umsetzung. Nun soll es also doch ein neuer Verbindungsgraben südwestlich des Ortes sein - "das haben wir schon 2003 vorgeschlagen", sagt Dietmar Müller.

Stephanie von Aretin




 
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