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«Drei Männer lernen den Umgang mit heißen Eisen» 
 
 
 


© Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 18. November 2004

Drei Männer lernen den Umgang mit heißen Eisen


Weiterbildung, Sprachen, Themen rund um die Gesundheit - das sind vorrangig die Themen für Kurse nach Feierabend. Doch es gibt auch Lehrgänge der ausgefallenen Art: In Kleinpösna nahmen sich jetzt drei Männer die Zeit, um an der Volkshochschule an einem Wochenende bei Jacob Wendt etwas schmieden zu lernen.

In der Kunstschmiede sind Bauingenieur Christoph Bock und Holzrestaurator Gregor Bauer aus Leipzig sowie Ingenieur Stephan Schink aus Borsdorf versammelt. Nach der Einführung in Materialkunde folgt die Vorstellung der Werkzeuge. An einer Wand sind reihenweise Hämmer aller Größen aufgereiht. vom kleinen 100-Gramm-Hammer bis zum Zwei-Kilo-Handhammer, je nachdem, für welche Technik sie benötigt werden. Der Vorschlaghammer wiegt vier Kilo und wird vom Zuschläger mit beiden Händen auf ein bestimmtes Werkzeug geschlagen. "Bei den Schmiedezangen, die rund um das Feuer aufgereiht sind, spielt nicht das Gewicht, sondern die Form des Zangenmauls eine Rolle", erklärt Jacob Wendt. Jede Technik erfordere das entsprechende Werkzeug.

Allein der Techniken gibt es jede Menge - ob richten, stauchen und schlichten über schärfen, spitzen, kehlen bis zu kröpfen, torsieren und spalten. Gregor Bauer hält ein Eisenteil ins Schmiedefeuer, dann auf den Amboss. Es soll ein Kleiderwandhaken werden.

"Zuerst wird das Eisen vorn gespalten, dann werden beide Teile gebogen, anschließend wird gelocht, gekehlt und torsiert", erklärt der Restaurator, der die Wandhaken fürs Ferienhaus vorgesehen hat. Die Holzmöbel, die er zu restaurieren hat, sind ja oft auch mit Metallteilen wie Beschlägen versehen. Vor allem wollte er aber die letzte männliche Domäne mal etwas näher kennen lernen, verriet er. Zum Schmieden bedarf es nicht nur Kraft, sondern vielmehr auch Geschicklichkeit und Ausdauer. "Nur draufhauen macht's nicht." Es gehöre auch Gefühl dazu, bemerkt der Restaurator.

An früheren Kursen haben auch schon Frauen teilgenommen. Sie könnten mit dem Schmiedehammer genauso umgehen wie Männer, meint Kursleiter Jacob Wendt, ein Schmied seit der 4. Klasse, wie er schmunzelnd meint. "Ich bin in der Schmiede von Baalsdorf groß geworden, erzählt der 37-Jährige. "Die Werkstatt lag auf meinem Schulweg, nach dem Unterricht habe ich dort immer geholfen." Nach der Ausbildung zum Unterstufenlehrer folgte die Schlosserlehre und die Arbeit als Betriebshandwerker. Aber das Feuer fürs Schmieden ließ ihn nicht los. So absolvierte Wendt eine Kunstschmiedeausbildung bei Andreas Althammer, machte seinen Metallbauermeister und eröffnete 1997 in Kleinpösna seine Kunstschmiede.

Christoph Bock hat sich dort nun einen Kerzenleuchter geschmiedet. Damit will er seine Familie überraschen. Ihn interessiert vor allem die Heißverarbeitung am Material. "Das Gute daran ist, dass man selbst einem Gegenstand die gewünschte Form geben kann", so Christoph Bock. Stephan Schink will seine Tochter mit einem selbst gefertigten Wandfackelhalter überraschen. Als gelernter Schlosser habe er früher schon in der Schmiede zu tun gehabt. Für ihn bedeutet der Kurs eine Art Auffrischung. Und was machen die Herren nach Abschluss des Kurses? "Umschulen", witzelt Gregor Bauer. "Dann werden wir die Drei von der Schmiede."

Marianne H.-Stars



 
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